Die Sommerpause

von Philipp Hell

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Zum Start in die längliche Sommerpause, kurz nach der legendären Nichtabstiegsfeier, hat sich die dritte Mannschaft der “Regenwürmer” um Kapitän Eberhard geschworen, dieses Jahr endlich mal regelmäßig zu trainieren um eingespielt in die neue Saison starten zu können, damit man wirklich nie wieder in Abstiegsnöte der zweiten Kreisliga gerät – nie wieder!

Nun ja: Man darf ja noch Träume und Visionen haben, doch die Realität hat die Jungs dann schneller eingeholt als man „Balleimertraining“ sagen kann.
Die ersten paar Wochen vergehen erwartungsgemäß ohne gemeinsames Training dank kompletter Lustlosigkeit nach Ende der langen und kräftezehrenden Saison, dank noch nachhängendem Kater der diversen Feierlichkeiten sowie auf Grund von in schöner Regelmäßigkeit gesperrter Turnhalle (Abifeier, Schul-Sommerfest, Elternsprechtag).

Anschließend tut sich immerhin etwas: In der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe fragt nun der wie immer überambitionierte Jungspund Malte jeden Freitag, ob abends jemand ins Training käme. Doch nur in den seltensten Fällen kann sich auch nur ein Mitspieler überhaupt zu einer Antwort aufraffen. Und der tatsächlich in jedem Training (egal ob Sommerpause oder nicht) anwesende Routinier Rüdiger hat eben kein Klugtelefon (von WhatsApp ganz zu schweigen). Malte muss folglich mit der Teilnahme an den Turnierserien als Training unter Wettkampfbedingungen (aber ohne Mitspieler) auskommen.

♦ Training mit den Tischtennis-Opas ♦

Ein oder zwei Mal schaut Mannschaftsführer Eberhard pflichtschuldig in der Halle vorbei – nur um nach einigen wenig ergiebigen Doppeln mit den als einzige anwesenden Tischtennis-Opas ebenso desillusioniert wie immer noch untrainiert wieder nach Hause zu fahren. Von Spitzenspieler und Multitalent Basti (die Tennis-Saison hat begonnen) sowie Familienpapa „Big Papa“ Klaus-Dieter (die Freibad-Saison hat begonnen) hört man wie jedes Jahr jedoch genauso wenig wie von Alt-Hippie Hotte (die Entspannungs-Saison hat nie aufgehört). So kommt es, dass die Wochen ins Land gehen und sich der Leistungsstand von Eberhards Team auf dem üblichen Sommerpausen-Niveau einpendelt: Irgendwo zwischen Rundlauf im Schulhof und Kreismeisterschaft der Ü85-Senioren.

Allein zum traditionellen Saisonabschlussturnier findet sich eine kleine Truppe in der sommerlich stickigen Regenwurm-Halle ein: Sieben Mitglieder der Abteilung, darunter mit Rüdiger („Ich wollte eigentlich nur trainieren“) sowie Eberhard (hat diesen Pflichttermin immer im Kalender) und dem hochmotivierten Malte (halluziniert von Siegambitionen) immerhin drei Nichtabstiegshelden der dritten Mannschaft, treten trotz Biergarten-Wetters an, um in einem allen Mitspielenden völlig schleierhaften Spielsystem den Gewinner eines Fresskorbes vom örtlichen Metzger des Vertrauens auszuspielen. Doch da ständig Partner, Schläger und Tische getauscht werden ist der Trainingseffekt einmal mehr eher gering. Immerhin: Rüdiger holt einen respektablen dritten Platz, Eberhard wird wie immer Vierter (Holzmedaille) und Malte weint sich abends wieder in den Schlaf.

♦ Noch nicht einmal Trainingslager oder Jubiläumsturnier ♦

Anschließend muss Eberhard sogar die Einladung zum 50-Jahre-Jubiläumsturnier der benachbarten und befreundeten Truppe vom TuS mangels einsatzwilliger Spieler leider ausschlagen. Peinlich, peinlich bei einem Zweier-Mannschaftsturnier.

Und auch ins einwöchige Trainingslager nach Kroatien will leider niemand außer Malte mitfahren – doch der hat schon wieder Hausarrest. Wobei es bei solchen Trainingslagern ja auch immer fraglich ist, was hier eigentlich überwiegend trainiert werden soll: Die Vorhand, die Rückhand, die Trumpfhand, die Bierstemmhand oder das einhändige aber erfolglose Anbaggern der örtlichen Strandschönheiten.

♦ Maximal Beer-Pong♦

Wenigstens trifft man sich vollzählig beim Abteilungsausflug in die nahegelegene Großstadt, die mit einem zünftigen Biergartenbesuch planmäßig und standesgemäß abgeschlossen wird. Doch außer bei einem kurzen Duell „Beer-Pong“ zwischen Klaus-Dieter und Hotte spielt der kleine weiße Plastikball auch an diesem Samstag eine eher untergeordnete Rolle.

Es kommt wie es kommen musste: Zum Saisonauftakt ist Malte dank zahlloser Turnierteilnahmen wieder einmal völlig überspielt aber spielerisch kein Stück verbessert. Routinier Rüdiger entwickelt sich unabhängig von Sommerpause oder nicht seit Jahren vom Niveau her ohnehin wie sein Dioptrien-Wert (es geht abwärts). Und alle anderen Mitglieder der Mannschaft kommen zusammen lediglich auf eine einstellige Anzahl an Trainingseinheiten von Mai bis August. Auf ein Neues heißt es also für die Regenwürmer: „Herzlich willkommen!“ im Abstiegskampf der zweiten Kreisliga Südwest.