Lexikon der Tischtennis-Spielertypen – Folge #1

von Der Zeigefinger

Embed from Getty Images

In unserer neuen Serie beleuchten wir die verschiedenen Spielertypen die uns im Amateur-Tischtennis so über den Weg laufen: woran erkennt man sie, was zeichnet sie aus und warum sind sie so wie sie sind?

In Folge #1 beginnen wir – natürlich – mit einem alten Bekannten: Der Routinier

Den Routinier haut so schnell nichts um, denn natürlich hat er alles schon einmal gesehen. Er hat neue Stars schnell aufsteigen und noch schneller am Tischtennis Himmel wieder verglühen sehen. Hat neue und neueste Schlägermoden stoisch beobachtet. Hat sich von keiner Regeländerung kirre machen lassen. Er hat immer sein Spiel gespielt. Mit Noppen, versteht sich.

♦ Schläger? Noppen ♦

Der Routinier ist seit gefühlten 40 Jahren im Verein und mit Noppen spielt er seit etwa 45 Jahren, also praktisch schon immer. Das trifft sich gut, denn der beweglichste war er noch nie und im Alter wird das natürlich jetzt auch nicht mehr besser.

Er ist zwar ein sehr sozialer Tischtennisspieler und lässt keinen Wirtsbesuch aus. Doch einheitliche Spielkleidung hält er für überschätzt: Diese lila T-Shirt aus den 80ern tut es doch auch!

Auch an der Platte ist der die Ruhe selbst – es sei denn er wird provoziert. Dann kann er sich schon manchmal zu einer Gemeinheit hinreißen lassen. Wenn sich zum Beispiel so ein junger Hochnäsiger zu sehr über die Noppen beschwert, die angeblich verbotenermaßen behandelt wären. Das stimmt zwar, tut aber nichts zur Sache denn vor 20 Jahren hat das ja auch keinen gestört, oder?

♦ Au weh, das Kreuz! ♦

Der Routinier ist schon lange nicht mehr besonders ehrgeizig, doch egal ist ihm seine Bilanz auch nicht: Für die vierte Mannschaft wäre er sich dauerhaft dann doch zu schade. Daher müssen eben doch manche Einzel mit lange eingeübten Mätzchen noch im Entscheidungssatz umgebogen werden: Plötzlich schmerzt der Rücken so stark, dass der Gegner gebeten wird den Ball immer aufzuheben. Oder er muss dringend seine Kontaktlinsen richten. Manchmal überfallen ihn auch saudumme Schwindelgefühle beim Stand von 4:7 im fünften Satz (insbesondere wenn er keine Auszeit mehr übrig hat).

Er war schon immer da und wird auch immer da sein, denn den Routinier haut so schnell nichts um – es sei denn er lässt sich nach dem Spiel in der Kneipe ausnahmsweise mal zu einem fünften Bier hinreißen. Aber das kam früher irgendwie auch öfters vor.

Da spielt er diese Saison: In der dritten Mannschaft, vorübergehend. Bis die jungen Überehrgeizigen in der Ersten sich mal wieder zerstreiten und den Verein wechseln.

Das sind seine Ziele: Ziele hat er in seinem Alter nicht mehr nötig.

Das typische Zitat: „Als ich damals in den 70ern… „

Das untypische Zitat: „Ich brauche dringend einen neuen Schläger.“


Außerdem erschienen: Folge #2 – Der Resignierte

Der ein oder andere Spielertyp kommt euch bereits bekannt vor? Kann gut sein, dass er in der Kolumne zum Saisonstart bereits erwähnt wurde.