We call it a „Klassiker“: Das Turnier

von Philipp Hell

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We call it a „Klassiker“ – Die besten Texte aus vergangen Tagen haben wir in der Tischtennis-freien Zeit für euch neu entdeckt!

Die Tischtennis-Gemeinde teilt sich gewöhnlich in zwei Teile: Turnier-Spieler und Keine-Turnier-Spieler. Warum eigentlich? Wissen die einen nicht was sie verpassen? Oder sind die anderen eventuell etwas überehrgeizig?

 

Nun ist es selbstverständlich nicht jedermanns Sache Samstag morgens um halb sieben aufzustehen nur um in einer schlechtgelüfteten Dorfturnhalle schlechtgelüfteten Tischtennis-Gegnern gegenüberzustehen. Und das nachdem man am Vorabend nach dem Punktspiel beim Wirt noch das ein oder andere Bierchen hat an sich vorüberziehen sehen.

Und doch finden sich auf jedem Amateur-Turnier immer wieder viele ehrgeizige junge und nicht mehr ganz so junge Spieler ein auf der Suche nach Ruhm und Ehre. Oder nach TTR-Punkten. Definitiv jedoch nicht auf der Suche nach interessiertem Publikum, attraktiven Sachpreisen oder ausgewogener Ernährung.

Der Turnier-Stammtisch tagt

Auf jedem Turnier gibt es einen gewissen Turnier-Stammtisch, eine Basis an Teilnehmern die immer dabei sind wenn irgendeine Veranstaltung im Umkreis von 100 Kilometern ansteht. Man kennt sich und grüßt sich per Handschlag, bespricht kürzliche TTR-Veränderungen oder analysiert den neuesten Rückhand-Belag. Man diskutiert Favoriten auf den Turniersieg sowie eigene Ziele und Hoffnungen. Vom Turnier-Stammtisch gewinnt selten einer selber den Pokal, meist erfolgt ein frühes – wenn auch unglückliches – Aus über das man sich dann mit einem Halbfinal-Einzug im Doppel hinwegtröstet.

Der tatsächliche Turniersieger stammt meistens aus einer von zwei allzu bekannten Kategorien: Entweder ist es der aufstrebende Jungspund der tatsächlich noch Jugend spielt (Landesliga) und ab und zu ein bisschen bei den Herren hineinschnuppern darf. Nun ist er begleitet von Mama, Tante und überehrgeizigem Trainer der Schreck für die üblichen Routiniers, weil er eben hat was diese nicht haben: Talent, Unbeschwertheit und einen klaren Kopf. (Die Routiniers haben sich die Wartezeit zwischen dem zweiten und dritten Vorrunden-Einzel nämlich mit ein paar Hellen versüßt.) So marschiert der 14-jährige ungefährdet zum Turniersieg bevor er dann in drei Wochen das Tischtennisspielen wieder aufgibt – weil er beim Fußball halt noch mehr Talent hat und Samstags ist da meistens Punktspiel und überhaupt ist Fußball halt schon ein bisschen männlicher.

♦ Turnier-Sieger? Talentierter Jugendlicher oder Altstar ♦

Die andere Kategorie des Turniersiegers ist der Altstar. Nach einigen Jahren Tischtennis-Pause hat ihn wieder der Ehrgeiz gepackt (oder die Frau hat mit Scheidung gedroht wenn er nicht bald mal wieder unterhalb der 100kg Grenze vorbeischaut) und so packt er an diesem Samstag seinen alten Landeliga-Schläger ein und schaut mal was da so geht bei den 37. Offenen Niederholzkirchener Stadtmeisterschaften. In der Vorrunde geht meist noch recht wenig und er quält sich zu mühsamen Fünfsatz-Siegen gegen bekannte Blinde vom Turnier-Stammtisch. Doch ab der KO-Runde ist er dann wieder in seinem Element, schießt alle geheimen und nicht so geheimen Favoriten von der Platte und qualifiziert sich spielend für die weiterführende Meisterschaft.

Blöd natürlich für den Turnier-Stammtisch. Doch einerseits geht es bei einem solchen Turnier ohnehin eher um das Soziale. Und außerdem trifft man sich nächsten Samstag ja schon wieder. Dann heißt es Kreismeisterschaft Westliches Süd-Niederbayern – und dort muss es dann endlich besser laufen. Wirklich. Es muss einfach.