Lexikon der Tischtennis-Spielertypen – Folge #4

von Philipp Hell

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In unserer Lexikon-Serie beleuchten wir die verschiedenen Spielertypen die uns im Amateur-Tischtennis so über den Weg laufen: Woran erkennt man sie, was zeichnet sie aus und warum sind sie so wie sie sind?

Mit Folge #4 setzen wir die Serie heute fort: Der manisch Offensive

Tischtennis ist ein durchaus anspruchsvolles Spiel mit einer Fülle von verschiedenen Schlägen. Nicht so für jedoch für den manisch Offensiven. Er kennt nur einen Schlag und der heißt: Immer feste druff!

Langer Aufschlag? Angriff! Kurzer Aufschlag? Angriff!! Mit oder ohne Spin? Scheißegal – Angriff!!! Denn das ist ja bekanntlich die beste Verteidigung. Sagt zumindest der manisch Offensive. Mit dieser, nunja, Taktik gewinnt er zwar nicht besonders viel doch er ist mit sich im Reinen. Wenigstens muss er sich kein Mädchen- oder Angsthasentischtennis vorwerfen lassen.

Der manisch Offensive lässt sich äußerst schwer coachen: Ratschläge wie „Halte ihn auf der Rückhand“ oder „Versuch doch mal den ersten Ball ruhig zu schupfen“ verhallen seit Jahren ungehört. Er will nicht anders, aber viele glaube er kann es auch nicht anders. Als er mit zehn Jahren anfing Tischtennis zu spielen mussten ihm die Trainer zunächst das Volley-Spiel abgewöhnen. Davon hat er sich bis heute nicht erholt.

♦ Coaching? Taktik? Zurückhaltung? Überbewertet!

Für ihn ist die Offensive eher so ein Lebenskonzept. Warum sich zurückhalten? Nach vier Bier nach Hause gehen? Beim Roulette nicht noch einmal alles auf Rot setzen? Nicht drei Frauen gleichzeitig anbaggern? No risk, no fun – noch so eine Weisheit des manisch Offensiven.

Selbst seine Aufschläge sind: offensiv. Unfassbar offensiv. Der Gegner hat sich nach einem Satz darauf eingestellt und prügelt ihm die Dinger um die Ohren? Kein Grund anders zu servieren. Auch im Doppel.

Als Teammitglied ist der manisch Offensive nur schwer auszuhalten. Nur allzu oft hat er schon klarste Führungen in wichtigen Spielen leichtfertig vergeben sobald der Gegner anfing kurz zu servieren. Oder mit Unterschnitt. Oder in die offene Seite. Mit dem Kopf in der Hand sitzt man daneben und traut seinen Augen nicht wenn zum zwanzigsten Mal der Ball einen Meter hinter die Platte segelt. „Mehr war nicht drin heute“ sagt er dann achselzuckend nach den Shakehands.

Da spielt er diese Saison: Überall, aber nur als Ersatzmann und wenn es um nichts geht.

Das sind seine Ziele: Satzgewinn durch elf eigene Punkte.

Das typische Zitat: „Der kommt sonst immer – IMMER!“

Das untypische Zitat: „Jetzt mach ich es eben taktisch.“


Folge #5 erscheint in Kürze. Dann geht es um den Coach.

Bereits erschienen:

Folge #3 – Der Gesellige

Folge #2 – Der Resignierte

Folge #1 – Der Routinier

Der ein oder andere Spielertyp kommt euch bereits bekannt vor? Kann gut sein, dass er in der Kolumne zum Saisonstart bereits erwähnt oder aber beim Psychopathen-Sport gesichtet wurde.