Doppel

von Der Zeigefinger

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Das Doppel wird meist stiefmütterlich behandelt in der Tischtennis-Welt, schließlich zählt es nicht wirklich zur persönlichen Bilanz und TTR-Punkte kann man auch nicht sammeln. Über eine vernachlässigte Disziplin.

Die beiden Spieler stehen an der Platte, einer links, einer rechts, hochkonzentriert. Dann der Aufschlag des Gegners, eine starker Return kann vom Partner des Aufschlägers nur noch halbhoch auf die Platte zurückgebracht gebracht werden, es winkt ein leichter Punktgewinn – dann dummer Fehler, Stöhnen und Augenverdrehen beim Mitspieler, Satzverlust.

Tja, Doppel kann Spaß machen – muss aber nicht. Die Situation verkompliziert sich durch die Anwesenheit eines Partners drastisch. Wobei die Bezeichnung „Partner“ ja oftmals auch eher unzutreffend ist: Zwei Spieler blieben bei den taktischen Überlegungen halt noch übrig und müssen nun sehen wie sie als Doppel zurechtkommen. Meist mehr schlecht als recht.

Nun steht einem der Partner ständig bei den eignen spektakulären Angriffsversuchen im Weg herum. Dafür kann man seine Aufschläge lesen und die regelmäßig von ihm provozierten hohen Bälle der Gegner kann man auf Grund ihrer irren Rotation auch nicht verwerten. Stattdessen mosert man den Mitspieler an doch endlich einmal den offensiven Gegner kurz anzuspielen. Und der andere ist Linkshänder, Mann!

Doppel nur kurz vorm Heimgehen im Training ♦

Wer trainiert schon regelmäßig Doppel? Mit seinem richtigen Partner? Meist ist Doppel eher so eine Art Notnagel gegen Ende eines Trainings wenn endlich einmal „durchgewechselt“ werden soll, der Star aus der Ersten aber keine Lust hat sich mit dem Noppen-Mann aus der Vierten herumzuärgern – Ballaufheben kann er auch ein andermal üben. So kommt als Rettung in der Not die Idee zu einem bunten Doppel auf, das dann über fünf Sätze geht und spielerisch keinen der vier Teilnehmer in irgendeiner Weise weiterbringt. Gleich darauf muss natürlich auch noch die Revanche gespielt werden. Wenigstens kam jemand auf die kluge Idee das Bier beim anschließenden Kneipen-Besuch auszuspielen, sonst würde sich hier nämlich überhaupt kein Ehrgeiz entwickeln.

Tja, Doppel ist eben das Stiefmütterchen in der Tischtennis-Halle. Komisch, denn in praktisch jedem bedeutenden Punktspielsystem werden einige Zähler mittels Doppeln vergeben. Und nach so einem 0:3-Rückstand geht der Rest des Abends nun eben auch nicht besonders leicht von der Schlägerhand. Trotzdem gibt es meist nur ein halbwegs eingespieltes Doppel pro Team: Bei den beiden passt das spielerisch einfach zusammen (gewöhnlich ein offensiver junger Linkshänder und ein unfassbar sicherer Routinier mit Noppen auf der Rückhand). Alle anderen müssen – je nach Aufstellung und Ersatzspielern – eben sehen wo sie bleiben, werden aber hinterher blöd angeredet wenn es nicht für einen Zähler gereicht hat. Auch im Doppel könne man wenigstens ab und zu punkten, heißt es dann.

Endlich ein Turniersieg? Zur Not eben auch im Doppel ♦

Nur an wenigen Tagen im Jahr findet das Doppel mehr Aufmerksamkeit als gewöhnlich. Entweder steht die Vereinsmeisterschaft an und bei den Wochen vorher ausgeschacherten Paarungen hat man ein großes Los ausgehandelt. Oder aber bei einem externen Turnier wurde man zu seiner eigenen Verwunderung nebenbei einfach bis ins Halbfinale gespült. Da man im Einzel bereits raus ist, man daher noch Kraftreserven hat und weil man als eingeteilter Fahrer nicht noch eine dritte Halbe hinterherkippen darf sieht man hier plötzlich die Möglichkeit ein bisschen was zu reißen. Zwar gibt es im Doppel selten Pokale zu gewinnen, doch für dieses 5-Liter-Bierfass und das professionelle Grillset welches man da vorher gesehen hat würde man natürlich durchaus Verwendung finden.

In beiden Fällen wird dann endlich auch im Doppel 110% gegeben, es werden Strategien ausgeheckt und Auszeiten genommen. Erstmals in seiner Karriere gibt man seinem Partner vor dem Aufschlag unter dem Tisch Hinweise welche Angabe man nun zumindest versuchen will. Statt Herumnölen und Augenverdrehen beobachtet man nun aufmunternde Klapse sowie taktische Hinweise. Es ist plötzlich ein ganz neues Spiel und man gewinnt zum ersten Mal in seinem Leben jenseits der Mini-Meisterschaften ein Turnier!

Schade nur, dass kurz vor der Siegerehrung dann leider der Urkunden-Drucker der Turnierleitung streikt.