Lexikon der Tischtennis-Spielertypen – Folge #5

von Philipp Hell

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In unserer Lexikon-Serie beleuchten wir die verschiedenen Spielertypen die uns im Amateur-Tischtennis so über den Weg laufen: Woran erkennt man sie, was zeichnet sie aus und warum sind sie so wie sie sind?

In Folge #5 geht es heute um ihn: Der Coach

Kürzere Angaben! Längere Schupfbälle! Longline ziehen statt diagonal! Die Angaben des Gegner erst aufhüpfen lassen! Halte ihn auf der Rückhand! Diese seitlichen Spinbälle kann man direkt angreifen! Und lass bloß diese albernen Konterbälle…

Kurz gesagt: Der Coach weiß immer einen Rat. Der Coach kennt immer noch einen Kniff. Der Coach probiert es mit jeder Taktik. Der Coach ist immer optimistisch. Der Coach versucht immer alles – bei seinen Mitspielern.

Faszinierenderweise spielt der Coach selber selten besonders hoch. Gut, technisch gesehen hat er alle Schläge drauf. Ihm beim Training zuzusehen ist ein Augenschmaus, da gehen die Topspin-Topspin-Ralleys über zwei Minuten, Kontern kann er den ganzen Abend ohne einen einzigen Fehler zu produzieren. Und den Ball muss er höchstens dann mal aufheben wenn es einen Netzroller gab.

♦ Die Fehler der anderen

Ja, doch dann kommt das Punktspiel. Hier läuft es für den Coach meistens eher so mittel. Zwar kann er nach jedem – verlorenen – Satz sofort knallhart analysieren woran es lag und was er besser machen müsste. Besser macht er es dann jedoch selten. Streut dafür mal einen Angabenfehler ein oder einen einfachen Schupffehler. Alles Psychologie eben.

Und wenn es gilt kommen auch die ganzen schönen Schläge nicht mehr welche im Training so einwandfrei klappen. Zur Sicherheit nimmt er sich dann zwischen den Ballwechseln oftmals kurz die Zeit um die Schlagbewegung trocken noch einmal richtig nachzuspielen. Hilft nur leider nix.

Trotzdem ist es super den Coach in seinem Team zu haben. Ein talentierter Jugendspieler verzweifelt an Noppen? Kinderspiel: ein, zwei Ansagen, schon wird der Opa von der Platte geschossen. Ein spielerisch überlegener Mitspieler bekommt keinen Aufschlag des Gegners zurück auf den Tisch? Der Coach weiß genau, dass einfach nur die Kelle hingehalten werden muss und dann so leicht mit einem kleinen Drücker Tempo reinbekommen und schon muss sich der Gegner anderen Angaben überlegen. Der offensive Alles-Zieher wird konsequent ausgeblockt? Der Coach bremst den Irren ein und führt ihn taktisch zum klaren Viersatzsieg.

♦ Ohne den Coach gäbe es gar keine Jugendmannschaft

Ja, der Coach ist Gold wert. Gerade auch was die Nachwuchsförderung betrifft. Keiner weiß woher er die Zeit – und die Geduld! – nimmt um den pubertierenden Pickelträgern die Grundlagen des Tischtennis-Sports beizubringen. Niemand anderes hat Lust Stunden in der Halle bei einem Jugend-Auswärtsspiel zu verbringen.

Doch steigt die erste Herren-Mannschaft – verstärkt mit zwei riesig talentierten Eigengewächsen – wenige Jahre später erstmals in die Bezirksliga auf ist der Coach der Held der Stunde. Was selbstverständlich nicht bedeutet, dass er nun irgendeine Unterstützung bei der Weiterentwicklung der nächsten Generation erwarten könnte. Nicht, dass wir uns da falsch verstehen!

 

Da spielt er diese Saison: Immer dort wo die Jugendspieler erste Erfahrungen sammeln sollen.

Das sind seine Ziele: Das Klinsmann-Mantra: Jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen.

Das typische Zitat: „Bisher nicht schlecht gespielt, aber du könntest noch versuchen …“

Das untypische Zitat: „Spiel dein Spiel!“


Hast du diesen Spielertypen auch in deinem Verein? Oder einen der anderen bereits beschriebenen Spielertypen? Welcher Spielertyp fehlt dringend noch im Lexikon? Hinterlasse einen Kommentar!


Folge #6 erscheint in Kürze. Dann geht es um die Nummer Eins.

Bereits erschienen:

Folge #4 – Der manisch Offensive

Folge #3 – Der Gesellige

Folge #2 – Der Resignierte

Folge #1 – Der Routinier

Der ein oder andere Spielertyp kommt euch bereits bekannt vor? Kann gut sein, dass er in der Kolumne zum Saisonstart bereits erwähnt oder aber beim Psychopathen-Sport gesichtet wurde.