Lexikon der Tischtennis-Spielertypen – Folge #8

von Der Zeigefinger

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In unserer Lexikon-Serie beleuchten wir die verschiedenen Spielertypen die uns im Amateur-Tischtennis so über den Weg laufen: Woran erkennt man sie, was zeichnet sie aus und warum sind sie so wie sie sind?

Heute in Folge #8: Der ständige Ersatzmann

Seit er mit seinen 59 Jahren wieder alleinstehend ist, hat der Sepp eine sagenhafte Verwandlung durchgemacht. Vom normalen Stammspieler, der er über Jahrzehnte hinweg war, hin zum ständigen Ersatzmann. Die halbe Mannschaft ist Mitte November im Urlaub in wärmeren Gefilden? Sepp kann einspringen. Der Dauerstudent muss sich schon wieder auf seine allerletzte Prüfung vorbereiten? Sepp spielt gerne. Heute hat kurzfristig ein Mitspieler wegen Grippe abgesagt? Sepp hat Zeit, ganz klar. Fünf Spieler sind in der Halle aber der sechste Mann steht seit vier Stunden auf der Autobahn im Stau? Sepp ist eh im Training, da kann er auch kurzfristig einspringen.

♦ Sonst keine Hobbys? ♦

Ja, ohne den ständigen Ersatzmann müsste man wohl in jedem Verein und in jeder Mannschaft öfters mal zu fünft antreten. Wenn überhaupt. Doch auf ihn kann man zählen wenn sonst keiner da ist, auf ihn ist Verlass wenn mann sonst verlassen wäre und überhaupt scheint er beinahe jeden Tag Tischtennis zu spielen und nie müde zu werden.

Natürlich munkelt man, dass der Sepp eben sonst keine Hobbys habe seit die Alte weg sei. Und dass er langsam seine Uhr ticken höre, so lästert man. Und dass er sich über die ein oder andere Verletzung von vor ihm in der Rangliste stehenden Spielern manchmal sogar freue, so heißt es

Aber: Wenn man sich die Finger wund telefoniert, gesimst, gemailt und gewhatsappt hat, sprich: wenn man einfach niemanden sonst findet, der 80km zum Auswärtsspiel beim unschlagbaren Tabellenführer mitfahren möchte, dann ruft man eben den ständigen Ersatzmann an – auf dem Festnetz, weil so ein Wischtelefon kommt ihm nicht ins Haus!

♦ Trotz allem immer für eine Überraschung gut ♦

Der ständige Ersatzmann zählt seine Punktspieleinsätze in Zehner-Schritten und so langsam hat er auch alle Mannschaften durch. Gut, eine tatsächliche spielerische Verstärkung ist er jetzt nicht gerade, schließlich spielt er nicht von ungefähr seit Urzeiten in der fünften Mannschaft. Allerdings erwischt er mit seinen langen Noppen auch in höheren Ligen immer mal wiedere einen unbedarften Jungspund, den er dann von links nach rechts laufen lässt. Und als Störspieler im Opferdoppel hat er auch schon den ein oder anderen Überraschungs-Punkt für diverse Teams erringen können.

Das beste aber am ständigen Ersatzmann ist seine Performance in der Wirtschaft. Hier ist er wirklich nach jedem Training oder Spiel bis zum Ende dabei und ein Weißbier hat er dort noch nie verschont. Aber selbst wenn er anschließend erst um fünf in der Früh im Bett war – beim Punktspiel der Ersten in der Bezirksliga am Samstagmorgen um 11:00 Uhr ist er auch nach nur drei Stunden Schlaf wieder am Start, das versteht sich ja von selber. Denn irgendjemand fehlt immer!

 

Da spielt er diese Saison: Offiziell? In der Fünften. Aber eben auch in der Zweiten, der Dritten, der Vierten und einmal sogar in der Ersten – Bezirksliga!

Das sind seine Ziele: Die magische 100-Einzel-in-einer-Saison-Marke.

Das typische Zitat: „Klar, da hab ich Zeit!“

Das untypische Zitat: „Du, nächste Woche wird mir das echt zu viel…“


Bereits erschienen:

Folge #7 – Der Materialspezialist

Folge #6 – Die Nummer 1

Folge #5 – Der Coach

Folge #4 – Der manisch Offensive

Folge #3 – Der Gesellige

Folge #2 – Der Resignierte

Folge #1 – Der Routinier