Lexikon der Tischtennis-Spielertypen – Folge #9

von Der Zeigefinger

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In unserer Lexikon-Serie beleuchten wir die verschiedenen Spielertypen die uns im Amateur-Tischtennis so über den Weg laufen: Woran erkennt man sie, was zeichnet sie aus und warum sind sie so wie sie sind?

Heute in Folge #9: Der Abteilungsleiter

Es versteht sich natürlich von selbst: Irgendeiner muss es tun. Und doch tut es immer der Gleiche. Denn alle anderen Mitglieder der Tischtennis-Abteilung haben selbstverständlich keine Zeit, dafür aber jede Menge hervorragende Ausreden. Die hätte der Abteilungsleiter zwar auch, doch will sie niemand hören.

So übernimmt er denn auch bei der diesjährigen Wahl wieder schweren Herzens das Amt – als einziger Kandidat, versteht sich. Und für die 16. zweijährige Amtsperiode in Folge. Der Abteilungsleiter ist eben eher der gutmütige Typ. Und: Einer muss es ja machen!

♦ Die Drohung der Ehefrau ♦

Zwar hatte seine Frau beim letzten Mal noch mit der Scheidung gedroht, sollte er sich erneut aufstellen lassen. Da herrschte dann zwei Wochen dicke Luft – im Verein, nicht zu Hause. Schließlich gab es absolut keinen Alterativkandidaten und die gesamt Abteilung war schon ziemlich sauer, dass sie einfach so hängen gelassen wird. Nach 30 Jahren. Und da es ja doch jemand machen muss, hat sich der alte Abteilungsleiter dann wieder dazu überreden lassen, auch der neue Abteilungsleiter zu werden. Dieses Mal hat seine Frau dann gar nichts mehr zur anstehenden Wahl gesagt, sie kennt das ja schon.

Die Aufgaben des Abteilungsleiters sind ebenso vielfältig wie anstrengend: Sich um das Eintreiben der Jahresbeiträge kümmern. Einen Schlüsseldienst organisieren. Regelmäßig neue Platten, Netze, Bälle und Trikots bestellen. Und wann gibt es eigentlich endlich die lange versprochenen Trainingsanzüge?

♦ Versammlungen und Sitzungen ♦

Dann gilt es natürlich diverse Sitzungen zu besuchen und einer muss es ja tun. Also geht der Abteilungsleiter im September zum Kreistag, fährt in November zum Bezirkstag und im Januar steht immer der landesweite Verbandstag an (da ist er natürlich Abgeordneter seines Kreises, einer muss es ja sein). Im Februar folgt die Vollversammlung des Hauptvereins und im April gibt es auch noch die Tischtennis-Abteilungsversammlung.

Wegen des geplanten Baus des neuen Vereinsheims nimmt er in regelmäßigem Abständen an den überaus spannenden Sitzungen des Gemeinde-Bauausschusses teil, denn auch das muss ja jemand machen. Und auf Grund der angespannten Hallensituation (immer Ärger mit den Fußballern oder dem Hausmeister) telefoniert er dann noch einmal wöchentlich mit der Stadtverwaltung. Denn, klar, einer muss sich drum kümmern, damit der Spielbetrieb reibungslos läuft.

♦ Heiko ist auch keine Hilfe ♦

Damit dem Abteilungsleiter nicht langweilig wird, gibt es aber auch sonst noch jede Menge zu tun: Da gilt es, diverse Sommerfeste und Weihnachtsfeiern sowie kleine Turnierchen zu organisieren. Der Heiko hatte ihm zwar bei seiner letzten Wahl in die Hand versprochen, ihn da regelmäßig zu unterstützen. Aber der ist eben beruflich zur Zeit sehr stark eingespannt und hat ja jetzt auch noch Nachwuchs bekommen.

So telefoniert der Abteilungsleiter also abends noch regelmäßig seine Schäfchen ab, um die Betreuung für das nächste Spiel der Jugendmannschaft zu organisieren. Er schlichtet Streit zwischen den Mannschaften, wenn mal wieder eine neue Rangliste gebastelt werden muss. Hilft ja nix, irgendwer sollte sich da eben drum kümmern. Und er kontaktiert seinen Kumpel im Verband, wenn mal wieder die Ligeneinteilung für kommende Saison skandalös ist oder sich ein Spielerwechsel unschön in die Länge zieht.

Und dann kommt er Dienstags immer noch ins Training. Doch meistens findet er da gar keine Zeit zum spielen, denn es gibt jede Menge Gespräche zu führen und Dinge zu klären. Schließlich soll der Abteilungs-Laden ja am Laufen bleiben. Und eins ist klar: Irgendjemand muss sich halt drum kümmern.

Da spielt er diese Saison: Irgendwo in der Dritten, wenn überhaupt. Da lässt er gerne den anderen Spielern den Vortritt.

Das sind seine Ziele: Beim nächsten Mal nicht mehr gewählt werden (klappt allerdings nie).

Das typische Zitat: „Von dir fehlt noch der Vereinsbeitrag für dieses Jahr.“

Das untypische Zitat: „Meine To-Do-Liste ist zur Zeit leer.“


Bereits erschienen:

Folge #8 – Der ständige Ersatzmann

Folge #7 – Der Materialspezialist

Folge #6 – Die Nummer 1

Folge #5 – Der Coach

Folge #4 – Der manisch Offensive

Folge #3 – Der Gesellige

Folge #2 – Der Resignierte

Folge #1 – Der Routinier