Lexikon der Tischtennis-Spielertypen – Folge #20

von Philipp Hell

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In unserer Lexikon-Serie beleuchten wir die verschiedenen Spielertypen die uns im Amateur-Tischtennis so über den Weg laufen: Woran erkennt man sie, was zeichnet sie aus und warum sind sie so wie sie sind?

Heute in Folge #20: Die Quotenfrau

Die Quotenfrau, man ahnt es schon, zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass sie eine Frau ist – selten genug im Kreisliga-Tischtennis. Da talentierte Damen normalerweise früh zu einem Verein mit Damenmannschaft in der Nähe wechseln, ist die Quotenfrau normalerweise nur mit überschaubarem Talent gesegnet: Es reicht zwar um irgendwo in der dritten oder vierten Mannschaft mitzuspielen und dem ein oder anderen aufstrebenden Jugendlichen hin und wieder eine peinliche Pleite zuzufügen dank ihres unangenehmen und völlig spinlosen offensiven Konterspiels. Doch für die Stars der Abteilung ist sie meistens kein ernstzunehmender Gegner.

♦ Großes Engagement ♦

Stattdessen engagiert sie sich ohne allzu großen sportlichen Ehrgeiz als gute Seele des Vereins: Backt Kuchen für das Sommerfest, hilft beim Jugendtraining mit, übernimmt die ein oder andere Funktionärsrolle die sonst keiner will und heiratet früher oder später den Kapitän der zweiten Mannschaft. Einige Jahre später tauchen dann natürlich auch ihre vier Kinder im Jugendtraining auf, mit denen sie regelmäßig zu Turnieren und Lehrgängen fährt.

♦ Plötzlich ist der Ehrgeiz erwacht ♦

Eigentlich kommt die Quotenfrau mit all ihren männlichen Mitspielern und Gegnern gut aus. Bis auf die Momente in denen ihr brüllender und fluchender – weil kurz vor dem Verlieren stehender – Gegner plötzlich ihren sonst tief schlafenden Ehrgeiz weckt. Dann wird bei guten Punkten doch mal die Faust geballt und „Cho!“ gerufen. Solange bis der völlig verzweifelte Kontrahent dann eben doch zum ultimativen mittel greift: Ballonabwehr.

Da spielt sie diese Saison: Bei den Herren 3.

Das sind ihre Ziele: Ein super organisiertes Sommerfest.

Das typische Zitat: „Ergebnisse sind nicht so wichtig, im Sportverein geht es doch mehr ums Soziale.“

Das untypische Zitat: „Und dann hab ich den einfach von der Platte gefegt!“


Bereits erschienen:

Folge #19 – Der Neidische

Folge #18 – Der knallharte Optimierer

Folge #17 – Der Psychotrickser

Folge #16 – Der Trainingsweltmeister

Folge #15 – Der Phlegmatiker

Folge #14 – Das Naturtalent

Folge #13 – Der Bescheißer

Folge #12 – Das Multitalent

Folge #11 – Der Schreihals

Folge #10 – Der Edelfan

Folge #9 – Der Abteilungsleiter

Folge #8 – Der ständige Ersatzmann

Folge #7 – Der Materialspezialist

Folge #6 – Die Nummer 1

Folge #5 – Der Coach

Folge #4 – Der manisch Offensive

Folge #3 – Der Gesellige

Folge #2 – Der Resignierte

Folge #1 – Der Routinier