Lexikon der Tischtennis-Spielertypen – Folge #25

von Philipp Hell

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In unserer Lexikon-Serie beleuchten wir die verschiedenen Spielertypen die uns im Amateur-Tischtennis so über den Weg laufen: Woran erkennt man sie, was zeichnet sie aus und warum sind sie so wie sie sind?

Heute in Folge #25: Der Asiate

In vielen Vereinen gibt es einen Asiaten, welcher bei jedem Gegner sofort einen nahezu Pawlowschen Reflex auslöst: „Ohje, die haben einen Chinesen!“ Nun ist zunächst zu bemerken, dass jener Chinese in einer Vielzahl von Fällen tatsächlich ein Vietnamese, Japaner, Koreaner oder gar Thai ist. Darüber hinaus gibt es den Asiaten – genau wie alle anderen Spieler – in zwei Ausprägungen: als guten und schlechten Tischtennis-Spieler.

Der gute Spieler ist erst kürzlich nach Europa gekommen und kann weder Sprache noch kennt er sich mit den hiesigen Gepflogenheiten aus. Nichtsdestotrotz hat er sich beinahe umgehend beim örtlichen Sportvereinerein im Tischtennis-Training blicken lassen, wo natürlich sofort seine wahnsinnig gute Spielstärke erkannt wurde. Angeblich war er sogar Mal Teil des chinesischen Jugendkaders, auch wenn er eventuell eher aus Taiwan stammt. Aus strategischen Gründen wurde der Asiate aber trotzdem nur in der dritten Mannschaft gemeldet. So kann er nämlich gleich drei Mannschaften zum lang ersehnten Aufstieg verhelfen. Zwar muss ihm der einzige des Englisch mächtige Mitspieler immer alles übersetzen und ihm erklären, wann er wo zu spielen hat, doch das wird sich schon finden.

Zusätzlich kann der starke Asiate durch seine niedrige Einstufung bei sämtliche regionalen und überregionalen Turnieren glänzen und bei diversen Kreis- und Bezirksmeisterschaften Ruhm und Ehre für sich und seinen Verein erringen. Da ist es dann auch zu verschmerzen, dass er spätestens nach einer Saison auch einen Verein mit einer angemessenen Spielstärke gefunden hat und sich künftig in der Verbandsliga tummeln darf. Unterhalten hat sich mit ihm bisher sowieso niemand.

Der schlechte Asiate wiederum ist ein Wald-und-Wiesen-Tischtennisspieler wie du und ich. Doch da ein großer Teil seiner Gegner zunächst einmal einen Heidenrespekt vor „dem Chinesen“ hat und somit immer schnell mit 0:2 in Rückstand Gerät bevor er merkt, dass nicht alle Penholder-Spieler nahezu unschlagbar sind, spielt der Asiate im ersten Jahr eine durchaus überzeugende Bilanz. Im zweiten Jahr hat sich das dann schon sehr relativiert und er konzentriert sich wie alle seine Mitspieler auf das Soziale nach dem Spiel.

Seine schnelle Auffassungsgabe sowie sein gutes Reaktionsvermögen bei der Getränkebestellung in der Kneipe helfen ihm dabei, sich super zu integrieren in der dritten Kreisliga C. Nach wenigen Jahren kann er den örtlichen Dialekt beinahe fehlerlos imitieren, seine Kinder sind deutsche Staatsbürger und seine Frau Kassenprüferin der Abteilung. Bis auf seine Tischtennis-Spielstärke hat sich also alles verbessert.

Da spielt der Gute diese Saison: Überall.

Das sind seine Ziele: Einbürgerung in einem Zwergstaat und Teilnahme an den übernächsten Olympischen Spielen

Das typische Zitat: „…“

Das untypische Zitat: „I don’t want to play.“

Da spielt der Schlechte diese Saison: In der Vierten.

Das sind seine Ziele: Deutsch lernen.

Das typische Zitat: „Prost!“

Das untypische Zitat: „I don’t want to play.“


Bereits erschienen:

Folge #24 – Die Legende

Folge #23 – Das Nervenbündel

Folge #22 – Das ewige Talent

Folge #21 – Der Vereinsclown

Folge #20 – Die Quotenfrau

Folge #19 – Der Neidische

Folge #18 – Der knallharte Optimierer

Folge #17 – Der Psychotrickser

Folge #16 – Der Trainingsweltmeister

Folge #15 – Der Phlegmatiker

Folge #14 – Das Naturtalent

Folge #13 – Der Bescheißer

Folge #12 – Das Multitalent

Folge #11 – Der Schreihals

Folge #10 – Der Edelfan

Folge #9 – Der Abteilungsleiter

Folge #8 – Der ständige Ersatzmann

Folge #7 – Der Materialspezialist

Folge #6 – Die Nummer 1

Folge #5 – Der Coach

Folge #4 – Der manisch Offensive

Folge #3 – Der Gesellige

Folge #2 – Der Resignierte

Folge #1 – Der Routinier