In unserer Lexikon-Serie beleuchten wir die verschiedenen Spielertypen die uns im Amateur-Tischtennis so über den Weg laufen: Woran erkennt man sie, was zeichnet sie aus und warum sind sie so wie sie sind?
Heute in Folge #31: Der Wiedereinsteiger
Der Wiedereinsteiger taucht eines Tages einfach im Training auf. Erzählt, dass er früher mal, vor sehr langer Zeit, Tischtennis regelmäßig im Verein gespielt hätte und das glaubt man ihm auch sofort. Umgehend wird er von einigen anwesenden Spielern der dritten und vierten Mannschaft intensiv auf Herz und Nieren getestet. Es wird festgestellt, dass man den Mann spielerisch durchaus brauchen kann, und zwar voraussichtlich nicht nur in der dritten oder vierten Mannschaft, wenn man sich mal seinen Vorhand-Topspin so ansieht – Donnerwetter!
Sogar sehr gut brauchen kann, fällt doch Thomas mit seinem Tennisarm noch monatelang aus und hat Sepp nach einem blöden Streit um einen nicht gegebenen Kantenball soeben erst endgültig aufgehört, zum dritten Mal in den letzten fünf Jahren.
Es kann sein, dass der Wiedereinsteiger sogar noch einen alten TTR-Wert irgendwo in der Tiefe der Datenbank aufzuweisen hat, mit einigen Einsätzen 2007 oder 2008. Wurde dann natürlich schön abgewertet über die Jahre, so dass der Wert nun nicht allzu hoch ist.
Ebenso gut möglich, dass er allerdings in solchen Urzeiten das letzte Mal in einem offiziellen Spiel an der Platte stand, dass er überhaupt keinen TTR Wert besitzt. So oder so bietet sich dem Verein nun die Möglichkeit, den Neuzugang in einer der hinteren Mannschaften in der Rangliste zu melden, zumindest für die erste Halbserie.
Damit vermeidet man erstens, dass irgendeine beleidigte Leberwurst aus der Ersten oder Zweiten, die durch den Wiedereinsteiger nach hinten verschoben wird, den Tischtennisschläger an den Nagel hängt. Zweitens bietet sich dem Verein die Möglichkeit, einen ambitionierten, engagierten und vor allem wahnsinnig guten Spieler in der dritten oder vierten Mannschaft zu melden und somit endlich den lang ersehnten Aufstieg anzugehen, den Wiedereinsteiger aber gleichzeitig als dauernden Ersatzmann in erster und zweiter Mannschaft einsetzen zu können. Win-win-win, sozusagen.
Schnell stellt sich heraus dass der Wiedereinsteiger mit regelmäßigem Training sein Spielniveau seinem ohnehin für alle sichtbaren Potenzial angleichen kann. Dies bedeutet, dass er spätestens nächstes Jahr wohl in der ersten Mannschaft gemeldet werden muss, es sei denn, es dauert doch noch 100 Jahre bis er einen ansprechenden TTR-Wert vorweisen kann, da er zurzeit hauptsächlich gegen Blinde in der Kreisklasse D antreten muss und dort kaum Punkte sammeln kann.
Unvermeidlich wird es somit zur kommenden Saison doch zu den üblichen Verteilungskämpfen kommen, wenn es gilt zu entscheiden, ob Hansi oder Richie aus der ersten in die zweite Mannschaft zurückrutschen müssen, und Heinz nur noch in der dritten, puh! Da ist es natürlich eine große Hilfe, dass der Wiedereinsteiger kein Soziopath, sondern allen Beteiligten sehr sympathisch ist und auch nichts gegen vier oder sieben Bier in der Kneipe nach dem Punktspiel einzuwenden hat. Dort werden sie dann schon ausdiskutieren, wer demnächst für ihn seinen Platz in der Landesligamannschaft räumen muss.
Da spielt er diese Saison: In der Vierten und der Dritten und der Zweiten und der Ersten. Und im Pokal.
Das sind seine Ziele: Bald gegen gleichwertige Gegner spielen und ebenso bald verstehen, was eigentlich dieser TTR-Wert ist, von dem hier alle immer reden.
Das typische Zitat: „Und bis 21 wird also auch nicht mehr gespielt?“
Das untypische Zitat: „Immer die gleichen Gegner hier …“
Bereits erschienen:
Folge #30 – Der Teilzeitspieler
Folge #29 – Der Vereinswechsler
Folge #28 – Der Punktspielversager
Folge #26 – Der blutige Anfänger
Folge #18 – Der knallharte Optimierer
Folge #17 – Der Psychotrickser
Folge #16 – Der Trainingsweltmeister
Folge #9 – Der Abteilungsleiter
Folge #8 – Der ständige Ersatzmann
Folge #7 – Der Materialspezialist