In unserer Lexikon-Serie beleuchten wir die verschiedenen Spielertypen die uns im Amateur-Tischtennis so über den Weg laufen: Woran erkennt man sie, was zeichnet sie aus und warum sind sie so wie sie sind?
Heute in Folge #32: Der Untalentierte
Der Untalentierte ist so untalentiert, dass es schon wieder fast ein besonderes Talent ist. Seit 20 Jahren spielt er unverändert auf demselben Niveau Tischtennis – also, wenn man das überhaupt ein Niveau nennen kann. Tendenz eher nach unten. Was daran liegen mag, dass ihm der Unterschied zwischen Unter- und Überschnitt immer noch allerhöchstens rudimentär bekannt ist – so einen Unterschied in der Praxis auch noch zu sehen, ist nochmal eine ganz andere Sache. Einen unschlagbaren Vorteil hat seine Talentlosigkeit jedoch schon: Das ganze Gejammer seiner Mitspieler über Noppen- und Anti-Spieler kann er ü-b-e-r-h-a-u-p-t nicht nachvollziehen.
So kommt es, dass, wann immer der Verein eine neue Mannschaft in der untersten Liga meldet, der Untalentierte sich eigentlich umgehend in dieser Mannschaft wiederfindet. Denn sämtliche Neuanfänger, Hobbyspieler, Freibad-Spieler und sonstige Blinde, die im Laufe der Zeit dem Verein beigetreten sind, haben ihn recht schnell spielerisch überholt.
Dem Untalentierten ist völlig klar, dass er – bisher – spielerisch wenig zu bieten hat, dass es für ihn vermutlich nie bis zur zweiten oder gar zur ersten Mannschaft reichen wird. Das hält ihn aber nicht davon ab, absolut regelmäßig ins Training zu gehen (mindestens zweimal die Woche), auf viele Turniere zu fahren, hochwertige Trainingslager im Ausland zu besuchen und teure Einzeltrainings mit einem „Personal Table Tennis Coach“ zu bezahlen. Alles in dem Versuch, doch noch etwas besser zu werden, also wenigstens ein kleines bisschen. Bisher jedoch nur mit mäßigem Erfolg – übertrieben formuliert.
Der Untalentierte ist bei der Vereinsmeisterschaft auch nach 19 Teilnahmen noch sieglos und bei offenen Turnieren ist er auch in der untersten Klasse noch nie über den letzten Gruppenplatz hinausgekommen. Aber seine Mitspieler sind immer wieder positiv davon überrascht, dass es ihm nichts auszumachen scheint, höchstens ein oder zwei Liga-Matches pro Halbserie gewinnen zu können. Dann freut er sich umso mehr darüber, gibt in der Kneipe zahlreiche Kaltgetränke aus – und dann will ihm auch niemand sagen, dass sein Gegner eigentlich Mitte des zweiten Satzes wegen starker Knieschmerzen aufgeben wollte und sich dann auch kaum mehr bewegt hat.
Da spielt er diese Saison: Letzte Mannschaft, unterste Liga.
Das sind seine Ziele: Endlich die magischen 900 TTR-Punkte knacken.
Das typische Zitat: „Vielleicht klappt’s ja nächste Woche.“
Das untypische Zitat: „Ja gut, der war auch einfach deutlich schlechter als ich!“
Bereits erschienen:
Folge #31 – Der Wiedereinsteiger
Folge #30 – Der Teilzeitspieler
Folge #29 – Der Vereinswechsler
Folge #28 – Der Punktspielversager
Folge #26 – Der blutige Anfänger
Folge #18 – Der knallharte Optimierer
Folge #17 – Der Psychotrickser
Folge #16 – Der Trainingsweltmeister
Folge #9 – Der Abteilungsleiter
Folge #8 – Der ständige Ersatzmann
Folge #7 – Der Materialspezialist