In unserer Lexikon-Serie beleuchten wir die verschiedenen Spielertypen die uns im Amateur-Tischtennis so über den Weg laufen: Woran erkennt man sie, was zeichnet sie aus und warum sind sie so wie sie sind?
Heute in Folge #34: Der Hypochonder
Der Hypochonder ist schon von weitem zu erkennen, betritt er doch nie die Turnhalle, ohne an allen erdenklichen Stellen (und auch an allen unerdenklichen) bandagiert zu sein. Am linken Arm trägt er eine Handgelenksbandage zur Stabilisierung des Sehnenscheide sowie eine Ellbogenbandage – eigentlich ist er ja Rechtshänder, aber angeblich spürt er sonst beim Hochwerfen des Balles zum Aufschlag immer so ein Ziehen im Arm. Er hat außerdem ein großes Pflaster auf der linken Backe und den kleinen Finger mit einem Tapeverband am Ringfinger fixiert, zusätzlich trägt er orthopädische Kniebandagen an beiden Beinen, sicher ist sicher.
Zu den offensichtlichen Gebrechen kommt eigentlich immer eine mindestens mittelschwere Erkältung, die zumeist von Anfang September bis Ende März dauert – also praktisch die ganze Saison hindurch. Glück für ihn selbst und seine Mannschaft, wenn sich das nicht noch bis zum nächsten Spiel zu einem ausgewachsenen Infekt entwickelt, was leider oft genug der Fall ist.
Doch auch wenn es das nicht tut, macht der Hypochonder maximal die Hälfte aller Spiele pro Saison. Denn auch vor kurzfristig eingewachsenen Zehennägeln, schmerzhaften Zeckenbissen, einer selbstdiagnostizierten Gluten-Unverträglichkeit sowie wiederkehrenden Rückenschmerzen (gerade bei seiner Stärke, dem Rückhand-Topspin aus gebückter Haltung) ist er nicht gefeit. Und da haben wir von seinen ganzen Allergien, den beim Sitzen schmerzhaften Hämorrhoiden und den 3,5 Dioptrien auf jedem Auge noch gar nicht gesprochen. Eigentlich ein Wunder, dass dieser Mann überhaupt in der Lage ist, irgendeinen Sport auszuüben. Naja, es ist eben auch nur Kreisliga-Tischtennis.
Natürlich hat sich der Hypochonder auf seine Situation eingestellt. Er wärmt sich vor Training und Spiel intensiv auf, verwendet ein reißfestes Brillensportband, zieht seine Trainingsjacke erst aus wenn es wirklich sein muss, hat warmen Tee in seiner Thermosflasche dabei und setzt im Winter, wenn es in der Halle tatsächlich etwas kühler wird, sogar eine Mütze auf.
Außerdem kann er leider nie den Schiedsrichter bei einem Spiel seiner Mannschaftskollegen geben, denn diese niedrigen Schulstühle auf denen man am Zählgerät sitzen muss sind natürlich Gift für seinen Rücken!
Nur wenn der Hypochonder mal einen großen Sieg errungen hat und man anschließend noch etwas bierselig in der Stammkneipe versumpft, sind alle Zipperlein oftmals völlig vergessen. Dann kann er sogar zu fortgeschrittener Stunde mit seinem Tennisarm am Maßkrug-Stemmen-Wettbewerb teilnehmen, nachdem er bereits mit einer Currywurst seinen auf Grund seiner angeblichen Laktose-Intoleranz neuerdings eigentlich veganen Essensplan selbst zerstört hat – sein Magen wird ihm das morgen bestimmt heimzahlen, wer weiß ob er nächste Woche überhaupt spielen kann.
Da spielt er diese Saison: In der Zweiten – wenn er denn spielen kann, er gibt am Spieltag gerne kurzfristig Bescheid. Hoffentlich haben da alle Verständnis?
Das sind seine Ziele: Gesund bleiben!
Das typische Zitat: „Das mich ausgerechnet jetzt auch noch dieses Virus erwischt hat…“
Das untypische Zitat: „Wem morgens beim Aufwachen nichts wehtut, der ist tot.“
Bereits erschienen:
Folge #33 – Der Turnierspieler
Folge #31 – Der Wiedereinsteiger
Folge #30 – Der Teilzeitspieler
Folge #29 – Der Vereinswechsler
Folge #28 – Der Punktspielversager
Folge #26 – Der blutige Anfänger
Folge #18 – Der knallharte Optimierer
Folge #17 – Der Psychotrickser
Folge #16 – Der Trainingsweltmeister
Folge #9 – Der Abteilungsleiter
Folge #8 – Der ständige Ersatzmann
Folge #7 – Der Materialspezialist