In unserer Lexikon-Serie beleuchten wir die verschiedenen Spielertypen die uns im Amateur-Tischtennis so über den Weg laufen: Woran erkennt man sie, was zeichnet sie aus und warum sind sie so wie sie sind?
Heute in Folge #33: Der Turnierspieler
Der Turnierspieler ist ein sehr aktiver Tischtennisspieler, nur eben nicht bei den Punktspielen. Dass er jedes Wochenende ein bis zwei Turniere spielt, eventuell sogar unter der Woche noch an diesen gerade modernen Race-Turnieren teilnimmt und es somit jede Saison auf Hunderte von Matches bringt, ist im ganzen Kreis bekannt.
Nur auf Punktspiele hat er eben gar keinen Bock. Lässt sich höchstens ein- oder maximal zweimal pro Saison zu einem Einsatz breitschlagen, wenn partout gar kein anderer Spieler zu finden ist. Am liebsten wenn es eventuell gilt, einen Abstieg zu vermeiden oder wenn ein Aufstieg klar zu machen ist, denn so spürt er wenigstens diesen K.O.-Wettkampfcharakter, den er bei Turnieren so liebt. Doch irgendwie fremdelt er dann trotzdem immer mit seinem redseligen Mitspielern, mit dem unnötigen Doppel, mit dem zähem Warten auf andere Ergebnisse, mit den ganzen Abhängigkeiten von den Ergebnissen anderer Spieler und überhaupt.
Er ist eben ein bisschen ein Ego-Spieler, der Turnierspieler. Aber gar nicht mal unsozial, denn auf den Turnieren trifft er ja immer auf die gleichen Gegner, mit denen man bestens über die Vorteile des Osterturniers beim FC und über die miese Organisation des Wintercups vom VfB fachsimpeln kann. Am liebsten fährt er einfach auf ein Turnier, spielt dort seine Spiele (nur Einzel, klar!) und nimmt am Ende nach Möglichkeit eine Urkunde oder einen Fresskorb mit nach Hause oder sammelt wenigstens einige TTR Punkte.
Apropos TTR Punkte: Sein Wert schwankt stärker als der Bitcoin-Kurs. Ständig geht es heute 30 Punkte hoch und übermorgen wieder 40 Punkte runter, gerne auch mehrfach innerhalb einer Woche. So kann man ihn vom Spielniveau her gar nicht richtig greifen, da sein TTR-Wert ihn je nach Tagesform in die erste oder in die dritte Mannschaft einstufen würde. Nicht, dass ihm das irgendetwas bedeuten würde.
Auf jeden Fall hat er zu Hause jede Menge Pokale im Regal stehen und Urkunden in dicken Ordnern aufbewahrt, von Turnieren an der Ostseeküste, in Österreich oder im italienischen Teil der Schweiz. Denn er kommt schon recht weit herum in der Welt der Tischtennis-Turniere – nur halt nicht im eigenen Kreis.
Da spielt er diese Saison: In Doha. Sein erstes Turnier in Asien
Das sind seine Ziele: Viertelfinale. Mindestens. Also eigentlich Halbfinale.
Das typische Zitat: „Eine Woche ohne Halbfinale ist eine verlorene Woche.“
Das untypische Zitat: „Das Punktspiel nächste Woche ist echt wichtig fürs Team.“
Bereits erschienen:
Folge #31 – Der Wiedereinsteiger
Folge #30 – Der Teilzeitspieler
Folge #29 – Der Vereinswechsler
Folge #28 – Der Punktspielversager
Folge #26 – Der blutige Anfänger
Folge #18 – Der knallharte Optimierer
Folge #17 – Der Psychotrickser
Folge #16 – Der Trainingsweltmeister
Folge #9 – Der Abteilungsleiter
Folge #8 – Der ständige Ersatzmann
Folge #7 – Der Materialspezialist